Kirchen in Glarus Nord

Erfahren Sie mehr über unsere Kirchen in den drei Kirchgemeinden:

Kirche Obstalden

Geschichte der Kirche Obstalden
Die Kirche Obstalden wird erstmals 1444 urkundlich erwähnt. Als Tochterkirche des Augustinerinnenstiftes Schänis unterstand Obstalden ursprünglich dem Bistum Chur. Politisch gehörte Obstalden im Mittelalter zum Gaster, seit 1415 bildete Kerenzen zusammen mit Bilten einen glarnerischen Wahltagwen.

1528 trat die Kerenzer Bevölkerung zur Reformation über; 1593 kaufte sie sich von Schänis los und bildete die selbständige Kirchgemeinde Kerenzen. Von Anfang an war die Kirche von Obstalden Pfarrkirche für alle drei Kerenzerberggemeinden. Ab 1760/61 bauten die Mühlehorner Kirchgenossen ihre eigene Kirche, doch erst anlässlich der Tagwensteilung von 1885/87 trennten sie sich kirchlich vollständig von Obstalden.

Der Bau der Kirche lässt sich auf den Beginn des 14. Jahrhunderts festlegen. Vorgängerbauten sind in Obstalden weder urkundlich belegt noch archäologisch nachweisbar. Auch die Vermutung auf einen römischen Wachtturm anstelle des heutigen Kirchturms wurde anlässlich der Bauuntersuchungen widerlegt. Es ist anzunehmen, dass die Konsekrationskreuze im Chor, stilistisch noch der romanischen Epoche zuzuordnen, als älteste Zeugen einer Bemalung auf die Entstehungszeit der Kirche hinweisen. Schon die Malereien an der Nord- und Ostwand, 1937 von Herrn Pfarrer von Grebel grösstenteils entdeckt, deuten auf eine zweite Bemalung um 1320 hin. Etwa um 1460 entstanden dann die Malereien an der Südwand des Chors. 1479 und 1516 kamen zwei Glocken in den Turm, die St. Fridolin und den »Rex gloriae« um Hilfe anriefen. Anlässlich der Reformation wurden alle Altäre und Bilder entfernt. 1809 erklang die erste Orgel.

Nachdem 1835 das Pfarrhaus durch den Vorarlberger Heinrich Ladner im klassizistischen Stil neu erbaut worden war, beschlossen die Kirchgenossen, durch denselben Baumeister eine »General-Reparatur« der Kirche vornehmen zu lassen. Damals wurde das Kirchenschiff verlängert und mit der heutigen Innenausstattung versehen. Schon 1836 war die heutige Kanzel hinzugefügt worden. Der Einbau einer Orgelempore im Chor 1862 und eines vierstimmigen Geläutes durch die Firma Rüetschi in Aarau 1888 brachten weitere Veränderungen. 1978 bis 1980 wurde die Kirche in Zusammenarbeit mit der kantonalen und eidgenössischen Denkmalpflege durch Architekt Heinz Brunner, Mollis, umfassend restauriert und erhielt ihr heutiges Aussehen. 

Ende der Achtziger Jahre häuften sich die Pannen an der erst gut vierzigjährigen Orgel. Eine Reparatur war nicht möglich, die Grundübel hätten nicht behoben werdenkönnen. So stimmte die Kirchgemeindeversammlung vom 13. Januar 1991 einem Kredit von 273'000 Franken zu.

Nun zeigte sich, dass die Kantonalkirche dieses Vorhaben nicht einfach aus dem Baufonds finanzieren konnte und wollte. Aus der ehemals stolzen Kasse war ein Kässeli geworden. Mit grossem Aufwand startete der Kirchenrat Bettelbriefaktionen und veröffentlichte Zeitungsartikel. Heimwehglarner und Kirchgemeinden vom Zürichsee überraschten immer wieder mit erklecklichen Spenden. Beiträge der Patengemeinde Zumikon trugen ausserdem dazu bei, dass rund 200'000 Franken zusammen- getragen werden konnten und die Synode vom 10. November 1994 nur noch 80'000 Franken zusichern musste.

Innert kürzester Zeit war die alte Orgel abgebaut, die wieder verwendbaren Pfeifen verpackt und im Pfarrhauskeller verstaut.  

Die Firma M. Mathis & Söhne, Näfels stellte die neue »Königin der Instrumente« bis ende Januar 1995 spielbereit auf die Empore. Mit einem stimmungsvollen Gottesdienst und einem klangvollen Konzert wurde sie am 26. Februar in der vollbesetzten Kirche eingeweiht.

Die Wandmalereien im Turmchor
Die Wandmalereien im Turmchor sind das älteste erhaltene Beispiel monumentaler Malerei im Kanton Glarus. Trotzt der vielen Fehlstellen bedeuten die Wandgemälde für den Glarus und die Region einen glücklichen Gewinn. Bis heute wurden im Kanton einzig in Matt, Betschwanden und Schwanden Spuren alter Wandmalereien gefunden, die jedoch nicht sichtbar gemacht werden konnten. Was uns bis heute erhalten geblieben ist, sind lediglich dürftige Reste einer einst farbenfrohen Malerei, die den Chor mit dem Gewölbe und wahrscheinlich alle Wände der übrigen Kirche überzogen hat.

Die vier noch erhaltenen Konsekrationskreuze gehörten zur mittelalterlichen Liturgie der Kirchweihe. Sie entsprechen dem üblichen Typus mit einschreibendem Kreis und verdicktem Ende. Kreuz und Kreis sind mit roter Farbe in ihren Umrissen gegeben. Ursprünglich wurden sie durch ein Stuckrelief hervorgehoben. Bereits im 14. Jahrhundert wurden sie abgeschlagen,übertüncht und mit Ornamentbändern übermalt.

Die Wandmalereien an der Nord- und Ostwand, dem 14. Jahrhundert zugehörend, sind aufgrund des schlechten Erhaltungszusstande nicht mehr interpretierbar. Die Gestalten östlich des Nordfensters sind alle männlichen Geschlechts, eine nähere Charakterisierung durch Attribute fehlt. Gerne sähe man sie als Apostelkollegium. Eine hypothetische Erweiterung auf die Zahl 12 ist jedoch nicht möglich.

Die Figur westlich des Nordfensters ist eindeutig weiblich, aber auch ihre Bedeutung ist nicht nachweisbar. Sie könnte als eine der Kardinaltugenden, als eine Vertreterin der klugen und törichten Jungfrauen oder als eine Stifterfigur gedeutet werden.

An der Südwand des Chores wurden anlässlich der Restauration von 1979 Malereien des 15. Jahrhunderts freigelegt. In der farblichen Intensität und Qualität übertrafen sie alle Erwartungen. Thematisch gruppiert sind vier einander zugewandte Paare zur erkennen (von links nach rechts:) Die Apostel Andreas und Johannes; der heilige Oswald, ein Vieh-, Schnitter- und Wetterpatron, der heilige Luzius, Hauptpatron des Bistums Chur; die heilige Katharina und die heilige Barbara; und schliesslich der heilige Fridolin mit dem Skelett des Ursus.

Für den Kanton Glarus ist vor allem die Figur des heiligen Fridolin bedeutend. Er war Gründer des Klosters Säckingen, für das er von einem Glarner namens Ursus eine grosse Landschenkung erhielt. Der Bruder des Stifters focht die Schenkung an, doch Ursus erschien als Auferstandener mit Fridolin vor dem Gericht als Zeuge.

Für die Kirchgemeinde bildet die Jahreszahl auf der 1479 geweihten und 1888 wieder eingeschmolzenen Fridolinsglocke einen Fixpunkt. Es drängt sich fast auf, den Glockenguss und die Malereien zeitlich in Zusammenhang zu bringen. Der Künstler hat zudem nachweisbar Stiche des Meisters E.S. Und des Meisters Johann Babtist als Vorlage gebraucht. Ein Stich mit Katharina ist in der Spätzeit des Meisters E.S. zwischen 1460 und 1467 entstanden.

Erstaunlich wirkt der verschwenderische Gebrauch von teueren Farben wie Azurit, Malachit und Hämatit.

Der Maler der Wandgemälde konnte bis jetzt noch nicht identifiziert wrden. Sicher ist, dass die künstlerische und technische Qualität den Rang regionaler Bedeutung übersteigt.

(Quelle: Marc-Joachim Wasmer: Die Wandmalereien im Turmchor der Kirche von Obstalden. Kunsthistorische Bemerkungen.)